Welche Medien werden von Kindern genutzt?

Der Fernsehapparat ist Leitmedium Nummer eins

Wird der Alltag von Vwerbetrennerorschulkindern hauptsächlich vom Spielen geprägt, so ist bezogen auf die Mediennutzung der Fernsehapparat nach wie vor ihr wichtigstes Leitmedium. Nahezu alle Kinder haben bis zu ihrem vierten Lebensjahr erste Erfahrungen mit dem Medium Fernsehen gemacht.1 68 Prozent der Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren, die zumindest selten fernsehen, haben bereits Lieblingssendungen, die sie sich besonders gerne anschauen.2 Derzeit liegt die durchschnittliche Sehdauer von Zwei- bis Dreijährigen bei 34 Minuten, von Vier- bis Fünfjährigen bereits bei 52 Minuten pro Tag.3 Diese Zahlen legen nahe, dass das Fernsehen eine besondere Faszination auf Kinder ausübt. Die bunten bewegten Bilder und die einfache Bedienung machen das Gerät zu einem für sie anziehenden Medium.4

Bei Kindern im Vorschulalter liegt der Fokus nicht auf dem Verstehen von Fernsehsendungen, sondern auf dem ganzheitlichen Erleben. Sie sind emotional sehr stark in das Geschehen auf dem Bildschirm involviert und fühlen sich als Teil der Geschichte. Im Gegensatz zu Erwachsenen können sie keine emotionale Distanz zum Inhalt aufbauen, sondern stellen primär einen starken Ich-Bezug zum Gesehenen her.5 Kennzeichnend für die Verarbeitung von Fernseherleben im Vorschulalter ist außerdem die emotionale und körperliche Anspannung. Sie kann durch Bewegungen und Ausrufe gelöst werden, die damit wichtig für den Prozess der Medienverarbeitung sind.6

Kinderbücher sind für die Sprachentwicklung bedeutsam

Fast so bedeutend wie der Fernsehapparat ist die Beschäftigung mit Büchern in der Freizeitgestaltung von Vorschulkindern. Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt bei 25 Minuten täglich.7 Bücher spielen vor allem im Prozess der Sprachentwicklung und Wissensaneignung eine wichtige Rolle. Sie sind für die Entwicklung und Erweiterung des Symbolverständnisses unentbehrlich, zudem ist das gemeinsame Betrachten von Kinderbüchern eine wichtige Grundlage für die Interaktion, in erster Linie zwischen Eltern und Kind. Das gemeinsame Anschauen, Erzählen und Vorlesen baut den Wort- und Ausdrucksschatz aus und stärkt Wissen, Fantasie und Empathie. Gerade in den ersten Lebensjahren ist es entscheidend, dass eine Vertrauensperson das Kind durch das Bilderbuch begleitet und damit einen Austausch vor, während und nach der Lektüre ermöglicht.8


Kinderzeitschri
ften sind überall einsetzbar

ojoo-buchKinderzeitschriften sind im Gegensatz zum Buch regelmäßig erscheinende selbstständige Publikationen für die Zielgruppe der Drei- bis Dreizehnjährigen.9 Sie stellen keine weiteren technischen Anforderungen, sind überall einsetzbar und ermöglichen dem Kind eine relativ selbstständige Auseinandersetzung. Thematisch beinhalten Zeitschriften eine Mischung aus Unterhaltung und Wissen und beziehen sich oft auf bekannte Figuren aus dem Fernsehen. Ihre plakative und farbige Gestaltung spricht in erster Linie die kurze Aufmerksamkeitsspanne des kindlichen Betrachters an.10 Zeitschriften gehören aufgrund ihrer Erschwinglichkeit zu den Medien, für die bereits Vorschulkinder ihr Taschengeld ausgeben. Heftbeilagen können weitere Kaufanreize darstellen.11 Ab dem zweiten Lebensjahr beginnen Kinder ihre Lernformen schrittweise um abstrakte Formen zu erweitern, so dass sie zunehmend in der Lage sind, Medienangebote zu verstehen und zu interpretieren. Um eine Bildergeschichte zu verstehen, braucht ein Kind nicht tasten, riechen oder schmecken. Ausreichend ist, dass es die Geschichte sehen und hören kann.12

Mit Kassettenrekorder und CD-Player Eigenständigkeit erfahren

Für Vorschulkinder sind Kassettenrekorder und CD-Player leicht zu bedienende Geräte, mit denen sie Eigenständigkeit erfahren – zum Beispiel in der Auswahl von Musik oder Hörbüchern – und sich von ihrer Umwelt abgrenzen können.13 Hörbücher sind in diesem Kontext von besonderer Relevanz: Jedes zehnte Kind im Alter von zwei bis fünf Jahren hört am liebsten Hörspiele14 und mehr als 44 Prozent des Hörbuchangebotes sind auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet.15 Auch die Mehrheit der Kindergärten verfügt über ein entsprechendes Abspielgerät: So stehen in 75 Prozent der Kindergärten Kassettenrekorder und/oder CD-Player zur Verfügung.16 Während es viele Hörbücher für Kindergartenkinder gibt, ist das Radioangebot für diese Altersgruppe eher gering, denn die meisten Radiosendungen für Kinder richten sich in Themenwahl und Aufbereitung an Grundschulkinder.17 Dennoch kommen Vorschulkinder mit Radioangeboten in Berührung, oftmals beiläufig, etwa bei Autofahrten oder im elterlichen Haushalt. Auditive Medien ermöglichen Kindern einen emotionalen Zugang zu Geschichten und ihre Bilderlosigkeit regt die Fantasie des Zuhörers an.18 Zuhören ist ein aktiver Prozess, der von Kindern diverse Kompetenzen verlangt, damit das Gehörte ebenso aufgenommen wie kognitiv verarbeitet werden kann.19 Kinder, die konzentriert zuhören können, haben es leichter, wenn sie Wissen aufnehmen sollen oder wenn sie versuchen, die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen wahrzunehmen und zu interpretieren.20

Computer und Internet sind im Kinderalltag durchaus präsent

Auch wenn Kinder im Vorschulalter nur wenig Zeit am Computer verbringen, ist dieser doch in ihrem Alltag sehr präsent. Sie sehen, wie Eltern, Erzieher oder ältere Geschwister das Gerät bedienen, so dass das Medium bereits bei Kleinkindern große Neugierde auslöst. Die generelle Nutzungsdauer von Computer-, Konsolen- oder Onlinespielen beschränkt sich bei Kindern im Alter von zwei bis fünf Jahren auf drei Minuten am Tag. Neben dem Computer gehört auch das Internet zum Medienalltag von Kindern. Immerhin nutzt diese Altersgruppe das Internet im Durchschnitt zwei Minuten am Tag.21


Vorlese- und Bilderbuch-Apps bestechen durch „kinderleichte Steuerung“

Neue digitale Medien wie Tablet-Computer bieten Anreize und Impulse und sind für Kinder im Vorschulalter durch das Berühren des Bildschirmes „kinderleicht“ zu bedienen. Aufgrund der einfachen Handhabung gibt es derzeit viele Apps, die auf die Zielgruppe der Kinder zugeschnitten sind.22

www.kinderappgarten.de/die-besten-apps-kinder/

www.klick-tipps.net/kinderapps

In Familien, in denen ein Tablet-PC vorhanden ist, nutzen 19 Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen diesen, tun dies aber selten allein. Der Anteil der Vier- bis Fünfjährigen ist dabei doppelt so hoch wie der Anteil der Zwei- bis Dreijährigen.23 Die wachsende Verbreitung von Tablet-PCs legt nahe, dass der Bekanntheitsgrad von Apps für Kinder zukünftig steigen wird. Auch wenn Apps gedruckte Lesemedien nicht ersetzen können, so bieten sie doch neues Potenzial, um Vorschulkindern eine technisch altersgemäße und spielerische Einführung in die Medienwelt zu geben.


1 Vgl. GÖTZ, Maya 2007, Fernsehen von -0,5 bis 5. Eine Zusammenfassung des Forschungsstands. In: TELEVISION 20/2007/1, S. 13.
2 Vgl. MEDIENPÄDAGOGISCHER FORSCHUNGSVERBUND SÜDWEST (Hrsg.) 2015: miniKIM 2014. Kleinkinder und Medien.
Basisuntersuchungen zum Medienumgang 2- bis 5-Jähriger in Deutschland. Stuttgart: o.V., S. 14.
3 Vgl. ebd., S. 13.
4 Vgl. KNAUF, Helen 2010: Bildungsbereich Medien. Göttingen: Vandenhoeck & RuprechtGmbH & Co. KG, S. 13.
5 Vgl. NEUSS, Norbert 2012: Kinder & Medien. Was Erwachsene wissen sollten. Seelze-Velber: Kallmeyer in Verbindung mit Klett Friedrich Verlag GmbH, S. 24.
6 Vgl. FILMOTHEK DER JUGEND NRW E. V. 2007: Erlebnis Kinderkino. Eine Handreichung für Multiplikatoren. Duisburg: o. V., S. 13.
7 Vgl. MEDIENPÄDAGOGISCHER FORSCHUNGSVERBUND SÜDWEST 2015, S. 17.
8 Vgl. EHMIG, Simone C 2013: Frühe Sprach- und Leseförderung mit Medien. In: merz. medien + erziehung. zeitschrift für medienpädagogik. 57. Jahrgang Nr. 2.
München:
kopaed Verlag, S. 25f.
9 Vgl. KNAUF 2010, S. 70.
10 Vgl. KNAUF 2010, S. 70ff.
11 Vgl. WADLINGER, Christoph 2013: Die Größe der Kleinen. In: Werben & Verkaufen 33/2013, S. 50.
12 Vgl. NEUSS 2012, S. 120.
13 Vgl. MÜNCH, Thomas 2010: Auditive Medien – Hörsozialisation. In: VOLLBRECHT, Ralf; WEGENER, Claudia (Hrsg.) : Handbuch Mediensozialisation.
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 255.
14 Vgl. MEDIENPÄDAGOGISCHER FORSCHUNGSVERBUND SÜDWEST 2015, S. 9.
15 Vgl. BÖRSENVEREIN DES DEUTSCHEN BUCHHANDELS 2015: Arbeitskreis der Hörbuchverlage im Börsenverein: Marktzahlen für 2014.
URL: http://www.boersenverein.de/de/158382?presse_id=947307 (9.5.2015).
16 Vgl. MEDIENPÄDAGOGISCHER FORSCHUNGSVERBUND SÜDWEST 2015, S. 29.
17 Vgl. KNAUF 2010, S. 56.
18 Vgl. MÜNCH 2010, S. 255.
19 Vgl. KNAUF 2010, S. 59.
20 Vgl. KNAUF 2010, S. 60.
21 Vgl. MEDIENPÄDAGOGISCHER FORSCHUNGSVERBUND SÜDWEST 2015, S. 10.
22 Vgl. ebd., S. 10.