Kinder werden heute als Marktteilnehmer von der Werbung treibenden Wirtschaft ernst genommen. Dies liegt zum einen daran, dass sie durch Taschengeld, Geldgeschenke und Ersparnisse über eine beachtliche Kaufkraft verfügen. Die 6- bis 13-Jährigen bekommen durchschnittlich rund 26 Euro Taschengeld im Monat, das sie zumeist für Süßigkeiten, Zeitschriften oder Snacks ausgeben. Zusätzlich erhalten sie Geldgeschenke in Höhe von 189 Euro pro Jahr und haben ein durchschnittliches Sparguthaben von 654 Euro.1

Kinder treten aber nicht nur mit ihrem Taschengeld und ihrem Sparguthaben als Konsumenten auf, sie beeinflussen auch viele Kaufentscheidungen ihrer Eltern, z. B. beim alltäglichen Einkauf im Supermarkt. In ihrer Rolle als Konsumenten erfahren sie schon früh eine gewisse Autonomie und dürfen im Rahmen der elterlichen Verantwortung eigenständige Entscheidungen treffen.

Das Verständnis von Geld und Konsum

Kinder_TaschengeldDas Verständnis von Geld und Konsum bei Grundschülern muss unter entwicklungspsychologischen Aspekten gesehen werden. Einen Erklärungsansatz liefert das Stufenmodell von Jean Piaget. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass die kognitiven Entwicklungsstufen im Kontext der individuellen und sozialen Gegebenheiten variieren und deshalb bei jedem Kind anders verlaufen. Die altersbezogene Einordnung ist insofern lediglich als Richtwert zu sehen.

Kinder können ab einem Alter von sechs bis acht Jahren verstehen, dass man Geld mit Arbeit verdienen kann. Allerdings können sie den Wert eines Produkts noch nicht einschätzen. Sie beurteilen den Preis von Gegenständen nach ihren Eigenschaften und Funktionen. Eine Uhr ist aus ihrer Sicht z. B. mehr wert als ein Edelstein, weil man auf ihr die Zeit ablesen kann. Erst später – im Alter von circa elf Jahren – können Kinder den Preis eines Produktes nach dem dafür eingesetzten Herstellungs- und Arbeitsaufwand einschätzen.2

Wirtschaftliche Zusammenhänge, wie etwa das System von Angebot und Nachfrage, sind für Kinder im Grundschulalter nur schwer zu verstehen. Erst ab einem Alter von etwa zwölf Jahren wird dieser Aspekt in die Bewertung mit einbezogen. Auch die Komplexität des wirtschaftlichen Systems mit seinen wechselseitigen Abhängigkeiten können Kinder im Grundschulalter noch nicht durchschauen: Sie wissen zwar, dass der Schuhkäufer ins Schuhgeschäft geht, um sich Schuhe zu kaufen. Sie begreifen aber noch nicht, welche Zusammenhänge zwischen Schuhhersteller, Schuhgeschäft und beispielsweise Schuhwerbung bestehen.3

Kinder entwickeln erst ab dem Alter von elf bis zwölf Jahren ein Verständnis für Profit: Beispielsweise ist es für sie unklar, ob der Geschäftsinhaber das Geld, das er einnimmt, für den Kauf von Waren oder für sein eigenes Leben verwendet. Manche Kinder meinen, dass das Geld für den Kauf von Waren verwendet werden dürfe, es aber moralisch nicht richtig sei, wenn der Geschäftsinhaber das Geld für den eigenen Lebensbedarf verwende.4 Um ein Verständnis von ökonomischen Zusammenhängen und Orientierung in diesem System zu entwickeln, sind direkte Konsumerfahrungen und insbesondere die Aufklärung durch Eltern, Schule und Medien notwendig.

Der Umgang mit Taschengeld

Der Umgang mit Taschengeld bietet Kindern die Möglichkeit, ein eigenständiges Konsumbewusstsein zu entwickeln. Sie erfahren den Wert von Dingen und den Wert des Geldes. Ein eigenes Taschengeld ermöglicht es ihnen auch, den Zusammenhang von Tauschen, Kaufen und Verkaufen zu verstehen. Das Taschengeld steht dabei als Realmedium zur Verfügung, um eigene Erfahrungen im Umgang mit Geld und Waren zu machen. Es sollte allerdings von den Eltern begrenzt werden: Etwa ab der Einschulung ist es sinnvoll, dass Kinder über kleine Mengen an Geld verfügen, mit dem sie erste Konsumerfahrungen machen. Sie lernen so, mit ihren finanziellen Möglichkeiten zu haushalten und zu wirtschaften.KINDER_KONSUM

Da Kinder das Taschengeld ohne das Erbringen einer Gegenleistung erhalten, lernen sie den Zusammenhang zwischen Arbeit und Geldverdienen allerdings dadurch noch nicht kennen. Es ist Aufgabe von Pädagogen und Eltern, diese Wissenslücke zu schließen. Kindern muss die Herkunft von Geld erklärt oder gezeigt werden. Unter Umständen kann es auch sinnvoll sein, dass Kinder selbst erfahren, wie man Geld verdienen kann – z. B. durch das Erbringen kleiner Tätigkeiten im Tausch gegen einen Geld- oder Sachwert.5


1  Vgl. EGMONT EHAPA VERLAG GmbH 2015: KidsVerbraucherAnalyse KVA 2015.Die Markt-Media-Studie für junge Zielgruppen. Berlin: o.V.
2 Vgl. AUFENANGER, Stefan 2005: Medienpädagogische Überlegungen zur ökonomischen Sozialisation von Kindern. In: merz. medien + erziehung. zeitschrift für medienpädagogik. (München) 49. Jahrgang. Nr. 1. Februar 2005, S. 14
3 Vgl. ebd., S. 14.
4 Vgl. FELDMANN FELDMANN, Klaus 2002: Die Entwicklung des ökonomischen Bewusstseins von Kindern und Jugendlichen. Institut für Psychologie und Soziologie in den Erziehungswissenschaften. Universität Hannover: o. V. 2002, S. 20 f.
5 Vgl. FEIL, Christine 2003: Kinder, Geld und Konsum. Die Kommerzialisierung der Kindheit. Weinheim, München: Juventa Verlag S. 35 ff.